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Südkurier Pfullendorf - Ein Macher im Gewerbegebiet

Unternehmer Dieter Geiger stellte den Mitgliedern der Wirtschaftsinitiaitve Pfullendorf seinen Betrieb vor. B I L D : S I EG F R I E D V O L K

➤ Dieter Geiger setzt auf Handwerkskunst    
➤ Unternehmer ist mit Standort zufrieden

Pfullendorf - Nicht bereut hat Dieter Geiger, dass er vor zwei Jahren im Gewerbegebiet „Otterswanger Straße“ auf einem 3600 Quadratmeter großen Grundstück seine dritte Werkstatt für Karosserie- und Unfallinstandsetzung mit Autolackiererei und Verwaltungstrakt eröffnete, in dem aktuell zwei Dutzend Mitarbeiter beschäftigt sind. „Ich konnte hier meinen Traum verwirklichen“, erzählte der 33-Jährige bei der Mitgliederversammlung der Wirtschaftsinitiative Pfullendorf (WIP), die in seiner großen Werkstatt stattfand. In Pfullendorf hat er seine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer gemacht, und mit Sondergenehmigung der Handwerkskammer mit 21 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt. Kurz danach machte er sich selbstständig und gründete 2007 in Hechingen mit einem Mitarbeiter seinen eigenen Betrieb. Die Zusammenarbeit mit Versicherungsunternehmen ermöglichte eine rasche Expansion, und so folgte die nächste Niederlassung sieben Jahre später in Tuttlingen und 2016 investierte er in den Standort Pfullendorf rund 3,5 Millionen Euro. Geiger ist mit seinen Standorten Aushängeschild eines deutschlandweiten Netzwerkes, auf das er sich spezialisiert hat: Mit dem Werkstattsystem „Identica“ des Herstellers Axalta wird eine Verbindung zwischen Werkstattbetrieben und Schadensteuerung, Versicherungen und Flotten hergestellt.

 

Aktuell beschäftigt das Unternehmen an den drei Standorten 54 Mitarbeiter, und wöchentlich werden 100 Fahrzeuge repariert. Auf die Frage, ob sein Betrieb mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen hat, gibt es vom umtriebigen Firmenchef eine klare, kurze Antwort: „Es gibt keine Fachkräfte mehr!“ Für die handwerklichen Ausbildungsberufe gebe es kaum noch Interessenten, während für Bürotätigkeiten jede Menge Bewerbermappen auf seinem Schreibtisch landen. Eine Ursache sei, dass in vielen Elternhäusern den Kindern das Handwerk gegenüber einem Studium oder Bürojob als wenig erstrebenswertes Berufsziel vermittelt werde. Hinzu komme eine veränderte Mentalität bei Jugendlichen, die der Freizeit einen großen Stellenwert einräumten, und in der Arbeitswelt mit wenig Einsatz ein hohes Einkommen erzielen wolle. Dabei biete das Handwerk große Chancen, wobei auch die Anforderungen sich stetig erhöhten. So bejaht er beim Betriebsrundgang die Frage eines WIP-Mitglieds, ob die deutschen Autobesitzer bei Reparaturen besonders anspruchsvoll seien.  Im Werkstattalltag wird deutlich, dass auch in diesem Bereich die Digitalisierung an Bedeutung gewinnt. Der Arbeiter erhält morgens mittels Chip seine Aufträge samt Prioritätenliste, wobei die Anweisungen mehrsprachig mitgeteilt werden. Der Dokumentationsumfang ist enorm. Nach Angaben von Dieter Geiger werden von jedem Fahrzeug, das in die Werkstatt kommt und repariert wird, durchschnittlich 170 Fotos angefertigt. Die vielen elektronischen Hilfssysteme wie kameragestützte Einparkhilfen machen die Arbeiten anspruchsvoller. Erschwerend kommt hinzu, dass die Autohersteller im Prinzip für jede Reparatur zeitliche Vorgaben machen, die von Versicherungen bei der Schadensregulierung angewendet werden. Als weiteren Kostenfaktor benennt der Unternehmer die Leihautos, die er den Kunden während der Reparatur zur Verfügung stellt und zu 60 Prozent bezahlt. „Zeit ist Geld“, bringt er die Herausforderung auf den Punkt. „Hier ist es sehr sauber“, bemerkte Rüdiger Semet vom WIP-Mitglied „Werkstättle“ und Dieter Geiger estätigte, dass er auf Sauberkeit großen Wert lege, auch wenn er von Kollegen damit aufgezogen werde.

Auf die Frage, ob er einen weiteren Standort eröffnen will, kommt vom Unternehmer die Ansage, dass er mittelfristig schon an eine Expansion denke, weil die bestehenden Standorte für manche Kunden
einfach zu weit entfernt seien, auch wenn Identica einen Hol- und Bringservice für die Autos anbiete, der aktuell bis in die Schweiz reiche. Von den Ausführungen des dynamischen Jungunternehmers zeigten sich die WIP-Mitglieder äußerst beeindruckt und Vorsitzender Marco Schiedt freute sich, dass die Idee mit dem ungewöhnlichen Versammlungsort so gut funktioniert hatte. Bis zur nächsten Versammlung 2019 hofft er aber, dass man bei den Mitgliederzahlen noch zulegen wird.

Von Siegfried Volk

30. November 2018